Dreizehn Pfarrer leiteten die Geschicke der evangelischen Gemeinde Bozens.

Alle Pfarrer kamen aus Deutschland in die Diaspora und mussten sich nicht nur in die Gemeinde, sondern auch im Südtiroler Umfeld einleben. Dies gilt im besonderen für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als Südtirol zu Italien kam. Die Konfrontation mit einem zu fast 100% katholisch geprägten Ambiente, mit einer zweiten Sprache, die es vielleicht nicht in der Kirche aber doch im Alltag braucht, stellte für jeden Pfarrer – und natürlich auch für seine Familie – eine Schwierigkeit, aber auch Bereicherung dar.

Der erste Pastor, der nur für die Predigtstation Bozen zuständig war, war der als Missionarssohn in Neu Guinea aufgewachsene Paul Jaesrich. Zwei Pfarrer waren Vater und Sohn, Helmut und Hartmut O. G. Lindenmeyer (1932 – 1936 und 1968 – 1980). Karl Haffner und Kurt Naumann weilten am längsten im Amt, von 1910 bis 1924, bzw. von 1943 bis 1958. Haffner war ab 1916 der erste von der Gemeinde gewählte offizielle Pfarrer. Jeder Pastor hat auf seine Weise das Gemeindeleben geprägt. Jaesrich beeinflusste den Kirchenbau, Haffner war als Feldkurat in Bozen stationiert und hielt während des ersten Weltkrieges Militärgottesdienste. In seine Zeit fiel die Abtrennung Südtirols von Österreich und damit auch vom Kirchenverband. Die Gemeinde schrumpfte von 1178 Mitgliedern vor 1913 auf 500 bis 600 nach 1918. Haffner war der einzige Pastor Bozens, der im Amt verstarb, im August 1924 im Alter von nur 49 Jahren.

Am 7. Dezember 1924 wurde Vikar Walter Heyden (1924 – 1932) zum neuen Pastor gewählt. Seinem Einsatz war die Anschaffung von zwei neuen Kirchenglocken zu verdanken (1927). Heyden war bekannt für seine Stimmgewalt und Sangesfreude. Helmut Lindenmeyer (1932 – 1936), der 1932 die Nachfolge Heydens antritt, verzeichnet die kürzeste Amtszeit, schon 1936 wird er nach Berchtesgaden berufen. Als er 1974 seinen Sohn Hartmut besucht, der inzwischen Pfarrer in Bozen ist, stirbt er überraschend. Gustav Werner Schiebe (1936 – 1940), Seemannspastor in Stockholm, wird zum Nachfolger Lindenmeyers gewählt. Auch er bleibt nur vier Jahre, 1940 muss er als Reichsdeutscher mit seiner Familie im Zuge der Option Italien verlassen.

Von 1940 bis 1943 betreut der Meraner Pfarrer Julius Giese die Bozner evangelischen Christen. Unter Kurt Naumann (1943 – 1958) wird die im Jahr 1945 durch Bomben und einen Brand zerstörte Christuskirche wieder aufgebaut. Er führt einen monatlichen italienischsprachigen Gottesdienst ein und ist der Pastor, der am meisten unterwegs ist, da die Gemeindemitglieder auch noch in der Nachkriegszeit weit verstreut, fern von Bozen leben.

Sein Nachfolger, Erich Striewski (1958 – 1967) gerät immer wieder mit einzelnen Gemeindegruppen in Konflikt, u. a. weil er sich über mangelnden Gottesdienstbesuch beklagt. Striewski wird von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Italiens (ELKI) zum Jugendpfarrer berufen. Er war nicht nur der jüngste Pastor der Gemeinde Bozen, sondern hatte auch bereits als Kind in der Pfarrerswohnung gelebt, als Sohn des Pfarrers: Hartmut O. G. Lindenmeyer (1968 – 1980). Seine Frau Uta, ebenfalls Pfarrerstochter, versah den Dienst des Organisten.

Der neue Pfarrer Gottfried Hoffmann (1980 – 1987) führt regelmäßige Kindergottesdienste ein und wechselt sich mit seinem Meraner Kollegen in den Rundfunkandachten ab. Die Amtszeit von Henning Schüttlöffel (1988 – 1997) steht vor allem im Zeichen einer intensiven ökumenischen Arbeit, und war mitunter auch von Spannungen geprägt.

Von 1998 bis 2010 betreute Pfarrer Sebastian Zebe, ehemaliger Stadtjugendpfarrer in Erfurt die Gemeinde Bozen.  In der DDR aufgewachsen war er regelmäßiger Teilnehmer der friedlichen Montagsdemonstrationen, die schließlich zur Wende führten. Ab 2006 war Zebe zudem Vizedekan der ELKI. Während seiner Amtszeit blühte die protestantische Tradition der Kirchenmusik wieder auf. Die Kirche wurde mit dem Orgelneubau einer umfangreichen Innenraumsanierung unterzogen.

Seit dem 1.9.2010 hat Pastor Dr. Marcus Friedrich die Pfarrstelle der Gemeinde inne. Wie Striewski kommt er mit seiner Familie aus Nordfriesland. Der praktische Theologe bringt ebenfalls seine Leidenschaft für die Kirchenmusik und die Bildungsarbeit in der Gemeinde ein. In der ELKI hat er die Aufgabe, neue Prädikantinnen und Prädikanten auszubilden.

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