Pfarrer Michael Jäger stellt sich vor


Ich darf hier Pfarrer sein!

Gekommen sind meine Familie und ich im August 2017. Also meine Frau Ildze und unsere Kinder Paula und David, die hier auch zur Schule gehen. Meine zwei großen Kinder leben in München.

Zuvor war ich 7 Jahre Pfarrer in Burghausen (Oberbayern). Davor liegen fast 16 Jahre auf der Pfarrstelle Kochel am See (bayrischer Alpenrand). Meine Ausbildung habe ich in Augsburg und Freising genossen und studiert habe ich in Erlangen, Heidelberg und Münster.

Jetzt Also Bozen...

Das ist schon wirklich anders. Eine kleine Gemeinde, weit verstreut von Bruneck über Brixen und Bozen bis nach Trient und Torbole am Gardasee. 

Keine Volkskirche, keine Kirchensteuer und doch volles Gemeindeleben mit allem drum und dran. Viele bringen sich ein und achten im guten Sinne aufeinander. 

Das ist schon was. Dazu noch eine lebendige Ökumene, Kirchenmusik, die sich hören lassen oder an der man sich aktiv beteiligen kann, engagiert in der Flüchtlingsarbeit und gut vertreten auch in den öffentlichen Medien …

Und der Pfarrer privat? Gerne auf dem Berg oder im Jazzkeller, mit einem Buch in der Hand, im Wohnwagen mit der Familie oder in einer Bar mit Freunden.

Stichwort Bar. Gerne können wir uns dort oder bei Ihnen zu Hause oder im und nach dem Gottesdienst treffen. Es würde mich freuen.

Sie erreichen mich im Pfarramt, Col di Lana 10 in Bozen, unter (+39) 0471-28 12 93, oder einfach jaeger@chiesaluterana.it.

Ich freue mich auf Ihre Nachricht und wünsche jetzt noch viel Lesefreude auf unseren Seiten.

Pfarrersbericht 2020

Pfarrersbericht für die Generalversammlung am 9. Mai 2021


Der Bericht des Pfarrers für das Jahr 2020 sollte ganz kurz sein können, sollte man meinen. Ich empfinde es nun genau anders herum, was aber jetzt auch nicht wieder als Androhung einer überlangen Rede gedacht sein soll.



Ja, 2020 kein Jahr wie die anderen. Normalität im Gemeindeleben nur Januar mit Februar, nach dem Sommer der Versuch eines Neustarts, der aber auch nicht weit führte. Gerade nicht für die Konfirmandinnen und Konfirmanden. Immerhin Weihnachten ist geworden und das Krippenspiel als Schattenspiel war klasse. Auch die beiden Heilig-Abend-Gottesdienste nacheinander, bitte beibehalten, das hat entkrampft und mancher Familie die Teilnahme erst ermöglicht. Auch von der Digitalisierungswelle, die wir unbedarft gesurft haben, alles prüfen und das Beste behalten. Hybrid denken. Was muss in Präsenz und was kann auch digital stattfinden, was sollte auf beiden Kanälen angeboten werden? Eine schöne Erfahrung auch, dass wir das gemeindlich entleerte Pfarrhaus mit Menschen ohne Obdach füllen und beleben konnten, auch wenn das gerade für diese eine lange Zeit untätigen Wartens und Durchhängens war.



Nun denn, man wird auf das Jahr 2020 nicht zurückblicken können, ohne überall auf die Hinterlassenschaften von Corona zu stoßen.



Wir haben als Gemeinde zusammen gehalten. Das zu erleben, war schön. Viel aufeinander achten, einander anrufen, für einander sorgen. Wie auch sonst und wie es recht ist und uns gut zu Gesicht steht, kam die Seelsorge innerhalb der Gemeinde nur zu kleinen Teilen vom Pfarrer. Ich habe aber gerne mitgemacht. Über all die Kanäle, die eben noch zur Verfügung standen. Viel Telefon und digitale Formen, aber zum Glück auch dazu kleine präsentische Highlights wie Balkongespräche und Walk and Talk.



Die Rundmails und mancher Gemeindebrief - auf das Sommerheft hatten wir 2020 verzichtet – waren nun nicht veranstaltungsschwer, sondern im besten Falle gedankenvoll. Das hat auch mal nicht geschadet.



Der Kirchenvorstand, der turnusgemäß zur Hälfte zur Wieder- bzw. Neuwahl stand, hat in dieser wie jener Besetzung durch sein arbeitsteiliges, stärken-orientiertes und vor allem vertrauensvolles Zusammenspiel eine wohltuende Ruhe und Stärke in der Steuerung des Gemeindelebens auch in Krisenzeiten gezeigt und das wahlbedingte Neuzusammenfinden erstaunlich gut bewältigt. 



Soweit die große Übersicht, nun zu Einzelnem noch etwas genauer. 



Gottesdienste 

Sie feiert man am besten miteinander. Es geht aber auch anders. Und es ging schnell, dass wir das gelernt und in den Schnipselgottesdiensten zueinander gefunden haben und viele dabei beteiligt sein konnten. Hat der Gottesdienst von Haus aus eine innere Dramaturgie, war dieser nun neu Gestalt zu geben. Ich habe gelernt, vor einem kleinen Stativ mit aufgestecktem Handy geistliches Leben erfahrbar zu machen und regie-artig in Szene zu setzen. Irgendwann durften wir wieder in unseren Kirchen zusammen kommen und behielten es doch bei, an die zu denken, die sich nicht auf den Weg machen konnten, aus Vorsicht, oder anderen Gründen. Facebooks livestream kam und kommt immer noch hier zum Einsatz. Auch churchevents hat uns geholfen, in schwierigen Zeiten etwas Übersicht zu behalten und Corona-Auflagen einzuhalten. Nichts hält länger als ein Provisorium. Dennoch hoffe ich, dass die Qualität der Übertragung der Gottesdienste mittels Gebrauchshandy und angeklebter Halterung noch etwas angehoben werden kann. Doch viele Zuschauer würden es danken.



Digitalisierung

Digital haben wir auch so schon aufgerüstet, aber mehr inhaltlich als mit der Technik. Die Homepage ist auf eine neue Plattform gekommen und ich darin eingewiesen worden, so dass ich sie in Struktur und Inhalten einrichten konnte und aktuell halten kann. Ein Segen, diese Seite zu haben, in der sich Gemeindeleben und Gedankenwelten abbilden, ordnen und auffindbar machen lassen.

Die Rundmails gab es vorher schon, aber nicht in der Häufigkeit und Bedeutung, die sie jetzt haben. Woche für Woche der Stand der Dinge. Wir mussten lange Zeit auf Sicht fahren und dazu erwies sich der Gemeindebrief mit seinen 3 Monaten Laufzeit und einem weiteren Monat zuvor für den Redaktionsschluss für Ankündigungen zum Gemeindeleben als zu behäbiger Ozeanriese.

Balkongedanken vom Pfarrhausbalkon und anderen herausragenden Orten, Pastor Valentinos youtube-Auftritt, all das ist schon berichtet worden.



Diakonie, Migranten, Pfarrhaus

Wie schon erwähnt, sind kurz vor dem Corona-Einschluss letztes Frühjahr Migranten noch nach Bozen gekommen, die mit rasch geschlossener Quästur und Notunterkünften selten verloren in der neuen Heimat waren. Da der Kirchenvorraum und schließlich auch das Pfarrhaus ihres sonstigen Lebens beraubt waren, konnte eine nun erweiterte Gastfreundschaft gewährt werden, die durchweg erfreulich war, 2020 wie gesagt.

Aber auch eine „Deitsche“ konnte im Pfarrhaus aufgenommen werden, wieder einmal, als Wiederholungstäterin. Hannemarie Schimmelpfennig, auch Hannemarie oder Oma genannt, die rasch wieder die „Insere“ wurde.



Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen

Andere „Deitsche“ kamen jedoch nicht und das obwohl sie zum Teil schon Jahre zuvor ihre Feierlichkeiten angekündigt hatten. Keine Hochzeiten und Taufen aus Deutschland, was auf der Seite der Haupt-Betroffenen große Enttäuschungen auslöste, sich aber auch in unserer Gemeinde negativ niederschlug, in Gestalt eines deutlich gesunkenen Spendenaufkommens.

Die Zahl der Beerdigungen sah sich hingegen leider in die andere Richtung stimuliert. Nicht zuletzt von unserem Ehrenkirchenvorstand und langjährigem Kurator Giachino Fränkel Häberle mussten wir vorerst in kleinem Rahmen Abschied nehmen.



Konfirmanden und Jugend

Die Konfirmandengruppe hat einen erfreulichen Start in Präsenz genommen, 2 Treffen, auch in großer Runde mit katholischen Jugendlichen, bevor wir uns heimlich still und leise wieder verabschiedeten. Erst in den virtuellen Raum und von da in die gemeinsame Entscheidung 2021 nach dem Sommer wieder in Präsenz sich begegnen zu wollen.

Ansonsten machte die Jugend Theater, oder auch nicht, oder wusste nicht, wann wieder, so dass den Theaterleuten Miriam und Nadja und ihren Jugendlichen viel abverlangt wurde. Das eine Theaterjahr wurde abgeschnitten, das neue Spieljahr konnte nur holprig starten, umso wichtiger ist das dabei Geleistete für die Jugendlichen, denen das Theater Gelegenheit bot, auf ihre Situation aufmerksam zu werden und zu machen.

Auch die Evangelische Jugend Salzburg Tirol ist in den Strudel der Pandemie und ihrer Unwägbarkeiten geraten, hat aber immerhin mit Sarah Wilke eine neue Jugendreferentin gefunden und sowieso auch in die digitale Ersatzwelt.

Im Hinblick auf unsere schöne Tradition mit Praktikantinnen und Praktikanten hatten wir nur Anfang des Jahres noch unsere Freude an Anna Wollesen. Umso mehr erwarten wir im Herbst Gregor Hüniken aus Bremen.



Angebote für Kinder

Wenn es möglich war, lief unser doch sehr vielschichtiges Programm von Kinder- und Familiengottesdiensten, Kindernachmittagen, Krabbelgruppe und Mini-Gottesdiensten in gewohnter Weise fort, neu hinzu kam jedoch auch das Kindergottesdienstangebot in Brixen.



Kirchenmusik

Es hätte so schön werden können. Mit Bea van der Sandt als Leiterin eines Projektchores, zu dem sich die Singende Gemeinde einmal mehr neu erfand. Doch nicht zuletzt den Chören und der Kirchenmusik wurde viel Geduld im Coronajahr 2020 abverlangt.

Leonhard Tutzers Anläufe, das gesamte Bachorgelwerk zugunsten eines Brustwerks für unsere Ghilardi-Orgel zur Aufführung zu bringen, wurden vertagt und vertagt. Auch andere schon organisierte Konzerte in unserer Kirche kamen über die Vorfreude nicht hinaus.



Ortsgruppen

Neben den Unterbrechungen, ist hier nur zu erwähnen, dass wir in Trient einen neuen alten und vor allem für uns sehr stimmigen Raum in der Via Barbacovi im Zentrum der Stadt gefunden haben. In Brixen hat sich die Ortsgruppe vor allem und erfreulich vergrößert, nicht zuletzt mit Familien mit Kindern und Jugendlichen. So kamen wir immer wieder an die für die Erhardkirche erlaubte Obergrenze, bzw. ansatzweise auch darüber. 

Weniger lässt sich das aber für die Urlauberseelsorge vor Ort sagen, die mit Ausfällen auf Pfarrerseite und einer stark italienischen Urlauberschaft doch ihrer Grundlagen leicht entzogen war.



Medien

Medial waren wir stark unterwegs. Die Rai-Andachten für Rundfunk und Fernsehen gingen gewohnt weiter. Hinzu kamen Filmprojekte für den Garten der Religionen, mit der Dokumentarfilmschule Zelik und die beiden Filme für die Rai und das Land über die „Deitschen“ und über die „Evangelischen“ .



Arbeit im Kirchenvorstand

Hier gab es im letzten Jahr eine große Zäsur. Langjährige geschätzte Verantwortungsträger wie Fritz Menke und Ulrike Becker mussten verabschiedet werden, Christiane Mühlhäusler und Friedhelm Wemhöner kamen als verheißungsvolle Newcomer ins Team, Aufgaben bekamen neue Schultern. Aus der Schatzmeisterin wurde die Kuratorin Caroline von Hohenbühel, ihre frühere Aufgabe übernahm Friedhelm Wemhöner, zu ihrer Stellvertreterin wurde Kathrin Kötz gewählt. Barbara Gödel ist die kompetente Ansprechpartnerin im Trentino für nahezu alle Belange innerhalb und außerhalb der Gemeinde. Wie gesagt, es läuft sehr rund.



ELKI

ELKI-Pfarrer übernehmen auch über ihre Ortsgemeinde hinaus Dienste und Verantwortung. So hatte ich mit dem damaligen Mailänder Kollegen auch die ELKI-Jugendfreizeit 2020 wieder in Bozen vorbereitet und dann doch Corona opfern müssen. Für die ELKI-Zeitung Insieme sitze ich weiterhin im Redaktionsteam und bin mit der Kolumne „der Pfarrer antwortet“ jeweils gefragt. Zudem bin ich Mitglied der Digitalkommission und von der Pfarrerschaft zum Vertrauenspfarrer gewählt worden, was mich sogleich in den Konfliktfall in einer ELKI-Gemeinde hineingezogen hat.



Sonstiges

Was jetzt nicht mehr eigens dargelegt, aber der Vollständigkeit halber stichwortartig erwähnt werden soll, das sind die Angebote in der Ökumene, Erwachsenenbildung, der Besuchsdienst und der bunte Aperitif, die sich in gewohnter Weise nur in den ersten beiden Monaten des letzten Jahres entfalten konnten.



Nach der Fahrt am 18.2. 2020 mit dem Dienstagstreff nach Verona zu einer Giacometti und Chagall-Ausstellung bekam ich eine merkwürdige Grippe, keine Ahnung was genau, und gestern habe ich mich zum ersten Mal gegen Corona impfen lassen. So schließt sich der Kreis.



Aber auch als Kreisel würde sich unsere Gemeinde gut beschreiben lassen. In Bewegung, bunt, leicht verspielt und voller Energie.


Michael Jäger

Pfarrersbericht 2019

Pfarrersbericht für die Generalversammlung am 20. Sept. 2020


Dieser Pfarrersbericht umfasst nun fast 1,5 Jahre und die waren weit weniger gut durchgehangen als vielmehr durchwachsen. 


Wir mussten uns in dieser Zeit von manchem verabschieden. Zunächst ganz planmäßig von einer Praktikantin, Sophie Hölzl, deren Zeit einfach auslief. Ihre Nachfolgerin kam letzten Herbst, Anna und mit klingendem Familiennamen Wollesen. Als auch sie uns ans Herz gewachsen war, endete ihre Zeit, ein Praxissemester lang. Ein inspirierendes Praktikum in Italien wird zur Zeit offenbar nicht mehr so unbekümmert ins Auge gefasst. Wir wissen aktuell nicht, wann unser schönes neues Praktikantenzimmer nun endlich auch von einer Praktikantin bezogen werden wird. 


Unsere Gottesdienste liefen bis Anfang März im gewohnten Rhythmus und selbstverständlich in Präsenz, wie denn sonst? Nun, dazu später mehr. Gottesdienste in Bozen und an den Filial-Orten Brixen, Bruneck, Trient, unterstützt vom Dienst der Urlauberseelsorger und unserer Prädikanten. Besonders hervorheben will ich dabei die sich in den Endzügen ihrer Ausbildung befindende Praktikantenanwärterin Ruthild Heimann, die auch zu einem Ausbildungswochenende aller sechs ELKI-Prädikantenanwärter bei uns geführt hat.


Auch bei den Angeboten für Kinder gab es – abgesehen von der bekannten Ausnahmezeit – große Kontinuität. Also: Kindergottesdienste, Mini-Gottesdienste, Krabbeltreff, Familiengottesdienste, Kindernachmittage und Krippenspiel. Wir versuchen sogar ein wenig zu expandieren. Nach Brixen. Dort ist es verschiedentlich zu Kindersegen gekommen und mit den schon vorhandenen und neu zugezogenen Familien bemühen wir uns nun um ein regelmäßiges Kindergottesdienstangebot auch dort vor Ort.


Ein schönes Fest war die Konfirmation unserer zehn Jugendlichen im Mai, nachdem sie zuvor eine weitere Konfirmandenfreizeit in Bozen und Venedig verbracht und in der Auslegung ihrer Konfirmationssprüche Zeugnis ihrer Gedanken und religiösen Sprachfähigkeit gegeben haben. Erst letzten Sonntag haben sich dann acht neue Konfirmanden als Gruppe zusammen gefunden und in einer kniffligen Rallye in und um Kirche, Pfarrhaus und Stadtteil spannende Einblicke in unsere Gemeinde genommen. Ihnen stehen auf ihrem Weg zur Konfirmation viele Jugendmitarbeiter zur Seite, manche sehr erfahren, andere starten neu in dieser Rolle. Ihnen kann man nur dankbar sein. Natürlich auch den Jugendmentoren, Miriam Weiss und Pierluca Lancilotta. Sie sind zu dieser Aufgabe nicht zuletzt durch Kathrin Kötzs Fäden spinnendes, zeitintensives Engagement, meist im Hintergrund, für das Erasmus+ - Projekt MAM Mitarbeiter Mentoring gekommen.


MAB und MAM sind die zentralen Stichworte einer qualitativ gut abgesicherten Jugendarbeit im Zusammenspiel vor allem mit der Evangelischen Jugend Salzburg/Tirol. Ein Doppelpass, für den wir auch entsprechend von den Ländern Tirol und Südtirol ausgezeichnet wurden und der uns auch in einen mörderischen Sponsorenlauf bei schweißtreibenden Temperaturen getrieben hat. Schön wars. Auch im Bezug auf das eigene Land und die eigene Kirche haben wir Beziehungen auf der ELKI-Jugendfreizeit in Bozen vertieft, zum Teil sogar so, dass beim Abschied ordentlich die Tränen flossen.


Kein Theater. Das überließen wir lieber unserer Jugendtheater-Gruppe unter der Leitung von Miriam Dreher und Nadja Tröster. Mit mondays for more future im Herbst gestartet und mit dem Rundum-Sorglos-Ticket der ELKI um die Welt gereist, gab es im Februar einen sehenswerten ersten Reisebericht, bevor plötzlich unser aller Erkundungsdrang verboten wurde. Wieder aus der coronabedingten Stagnation heraus führt jedoch am 5.10. der Neustart mit conACTION, mit Kindern und Jugendlichen, die der Welt etwas zu sagen und Spaß an Sprachen, Kulturen und der Arbeit in Gruppen haben. Die internationale und interreligiöse Zielgruppe macht jedoch den Wechsel des Probenortes vom Gemeindehaus ins neutrale Haus Altmann erforderlich.


Bleiben wir im übergemeindlichen Spielfeld. Die Ökumene lebt. Monatlich im Wechsel feiern wir einmal eine gemeinsame Andacht, dann lesen wir in der Bibel. Dazu kommen die Gebetswoche zur Einheit der Christen, der Tag der Schöpfung und das Friedensgebet zum Jahresbeginn. Wir sind in der Allianz für den freien Sonntag, im Garten der Religionen und in einer Trentiner Arbeitsgruppe der Vertreter der christlichen Konfessionen. Ein Abend zur Gastfreundschaft in den Religionen im Teatro Cristallo am 9.11. in Bozen, der ökumenische Gottesdienst auf einer Brücke in Trient zum Filmfestival Religion Today und die jüngst in der Christuskirche erfolgte Einführung von Don Gioele zum neuen Ökumenebeauftragten der Diözese sind dabei besonders hervorzuhebende Veranstaltungen.


Musikalischer Art gab es davon ebenfalls einige, vor dem Lockdown und jetzt ab Herbst wieder. Wir hatten Konzertreihen, sei es an der Gitarre oder an unserer Orgel, hatten Gastmusiker, -chöre, unser famoses Duo Burger-Klewitz, kirchenmusikalische Gottesdienste und vor allem unseren Hausorganisten Leonhard Tutzer, der uns in der Kirche viele schöne musikalische Momente bereitet hat, nicht zuletzt, als das Singen uns zu gefährlich wurde. Die glückliche Zusammenarbeit mit den UnivoicesBZ unter der Leitung von Johann van der Sandt hat und hätte uns wieder besondere musikalische Klangerlebnisse in der Langen Nacht der Kirchen ermöglicht. Auf weiteres darf man gespannt sein. Hoffentlich findet sich auch für die entfallenen Konzerte des Südtiroler Landesjugendchores ein neuer Termin.


Neu in Form ist schon mal die Singende Gemeinde gekommen. Nun als Projektchor unter der Leitung von Bea van der Sandt. Es hat gebraucht und der Lernweg dorthin war nicht allzu beglückend, bis dieses Format gefunden wurde, das Chormusik unter den herausfordernden Umständen einer kleinen, weit verstreuten Gemeinde mit sehr mobilen Mitgliedern ermöglichen soll.


Mobilität ist dann auch das passende Stichwort für unsere Gemeindereisen und Ausflüge mit Schlittenfahrten und Klammerkundungen. Die Gemeindefahrt nach Genua war ausgesprochen schön und bereichernd, zum für den März geplanten Gegenbesuch der Genueser Gemeinde konnte es dann aber schon nicht mehr kommen. Diesmal war es Corona, letztes Jahr war es der vorgezogene Pfarrstellenwechsel der Florentiner Pfarrer, der es uns verwehrte, uns nun umgekehrt als würdige Gastgeber zu erweisen. Dafür waren wir dann wieder in der Toskana, im sehr ansprechenden Gästehaus der Waldenser Casa Cares, zur Gemeindeakademie der ELKI. In einer vertrauensvollen und intensiven Weise konnten anhand der Vorträge Ingo Stermanns und eines entsprechenden Rahmenprogramms das Glauben im Alter besprochen und bedacht werden.

Für ein Wochenende konnten wir dann doch auch selbst die Melantonini aus Rom als Gäste in Bozen begrüßen, leider aber nicht die Frauen des Frauennetzwerkes, deren für Ende März geplantes Treffen in Bozen nicht zuletzt von Frau Lier bereits gut organisiert war. Der Schneeausflug zum Lavaze-Joch war noch rechtzeitig im Februar und der Ausflug in die Rastenbachklamm mit Skulpturen des Friedensweges ja noch letzten Sommer.


In der Erwachsenenbildung wurden die bewährten Formate, Forum Christuskirche und Dienstagstreff, fortgeführt, so lange das eben ging. Das Forum befasste sich ebenso mit vermeintlich gefährlichen Themen wie Großraubtieren und Migranten, wie auch mit eher persönlichen, etwa Jenseitsvorstellungen, Kindererziehung oder das Leben der Lutherischen in Südtirol. Herzlicher Dank allen Referentinnen und Referenten. Im Dienstagstreff haben wir uns monatlich getroffen, um etwa in St. Pauls ausladende Krippenlandschaften zu betrachten oder in Verona die dünnen Skulpturen Giacomettis. Besonders freue ich mich, dass wir einen Besuchsdienst gründen konnten, bei dem die bislang sechs Teilnehmer mit Schulung und Erfahrungsaustausch einer unglaublich wichtigen Aufgabe nachkommen.


Auch Erwachsenenbildung, aber eben in verdichteter und sehr persönlicher Form waren und sind die zwei Grundkurse über den christlichen Glauben, die in Taufen mündeten bzw. noch münden werden, wenn der Täufling, der zwischenzeitlich auch noch das Kühe melken gelernt hat, wieder von der Alm herab gestiegen sein wird. Ein nächster Kurs wird sich aufgrund anderer Interessenlagen und Voraussetzungen mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der verschiedenen christlichen Konfessionen befassen. Was macht evangelisch anders als katholisch und warum.


In der tätigen Nächstenliebe gibt es hierbei die wenigsten Unterschiede, vielmehr viel Zusammenarbeit verschiedener Organisationen und den bleibend hohen Einsatz unserer Gemeinde und der Schutzhütte zum Schutz besonders bedrohter Menschen (vulnerabili). Auch wenn das Gebäude in der Carducci-Straße aufgegeben werden musste und neue Orte gesucht werden, konnte im Zeilerhof wie weiterhin in bewährter Weise in Kirche und Pfarrhaus immer ein Platz zum Schlafen gefunden werden, was nicht zuletzt Caroline von Hohenbühels unermüdlichem Einsatz zu verdanken ist.


Apropos Pfarrhaus. Belebt ist das irgendwie immer. Als der Lockdown geschlossene Türen und den Verbleib in den Hausgemeinschaften erforderlich machte, hat sich hier relativ schnell eine neue Hausgemeinschaft gegründet, samt Quarantäne in Kirche und gemeinsamem Brotbacken in der Pfarrhausküche. Gemeinsame Sprachen wurden gefunden und die neuen hier erforderlichen Dank des Einsatzes von Ingrid Kramer, Inge Wilander und anderer vertieft bzw. neu begonnen. Selbstverständlich wurden auch Dienste in Haus und Garten übernommen. Talente konnten genutzt werden und selbst mit einer Handykamera und ohne Mischpult kann ein erfahrener Kameramann einen ansehnlichen live stream unserer nun wieder präsenten Gottesdienste erstellen.


Ach ja, die Hausgemeinschaft. Die ist auch ohne unsere Gäste eine äußerst bunte Community, die dann und wann zu einem Geburtstagsständchen im Flur, zu einem Cafe-Nachmittag im Garten oder auch zu einer nächtlichen Haustelefon-Konferenz zusammen findet, wenn sich Schlafplatzsuchende an die evangelische Kirche erinnern und um Mitternacht sicherheitshalber gleich alle Klingeln drücken. Einen Auszug gab es, Frau Rosmarie Natale. Sie hat lange mit ihrem Temperament die Hausgemeinschaft belebt, auch auf Trapp gehalten und bei ihrem Umzug nach Nürnberg, der ihr schwer viel, sicherheitshalber den silbernen VW noch hier gelassen. Hannemarie Schimmelpfennig wusste ebenfalls von dem Heimweh nach der Col di Lana 10 ein Lied zu singen und hat schließlich mit der großen Unterstützung von Teilen ihrer Familie die Rückkehr realisiert. Erst galt es für die Ihren Farb- und Rauch-Rückstände aus der Wohnung zu entfernen, dann für Hannemarie, sich hier wieder neu einzurichten, was ihr nicht schwer fiel. Ich wüsste jetzt gar nicht aus dem Stand heraus zu sagen, in welcher Küche – unten oder oben – sie sich häufiger aufhält. 


Von der Binnenschau aus Pfarrhaus und Gemeinde nun zu einer größeren Öffentlichkeit. In den Rai-Andachten "Auf ein Wort" und "Nachgedacht" kann ich weiterhin die evangelische Stimme erheben und auch in der ELKI mich einbringen: 1 1/4 Jugendfreizeiten, eine volle und eine voll vorbereitete, in Bozen, die Gemeindeakademie, als Redaktionsmitglied von Insieme mit der Pfarrerskolumne und in der Digitalkommission.


Da wusste ich aber noch nicht, wie digital wir werden würden. Denn so abrupt ausgebremst, wie unser aller Leben ab März diesen Jahres nun wurde, so rasch galt es, neue Formen des Gemeinschaftslebens, der Verkündigung und der Seelsorge zu finden. Der Bedarf war da, mehr da denn je, es konnten nur nicht die gewohnten Transport-Mittel benutzt werden. So wurde die Homepage nicht zuletzt mit Hilfe von Nils Reddig neu gestaltet, Schnipselgottesdienste hochgeladen, Zoom-Konferenzen initiiert, Rundmails in höherer Frequenz verschickt, Pastor Valentino ging online und ich selbst auf den Balkon. Zwischenzeitlich ist unser sonntäglicher Gottesdienst hybrid und was noch alles kommt, werden wir sehen.


Sicher ist, und damit schließe ich, dass dem Team der Gemeindeleitung in all dem größte Bedeutung zukommt. Der Kirchenvorstand stellt nicht nur Stühle, sondern gibt auch die große Linie vor und stellt sich für diese in den Dienst. Ulrike Becker hat als Kuratorin in den zurückliegenden zwölf Jahren in persona mit Sachverstand, Einfühlungsvermögen und Durchsetzungsstärke, also alles, was gute Führung ausmacht, dafür gestanden. Das einzige, was ihr zuletzt fehlte, war Zeit. Aus diesen Gründen endet dann auch heute ihre Amtszeit, für die man nur von Herzen dankbar sein kann. Fritz Mencke hat die zwei dutzend Jahre im Kirchenvorstand fast voll gemacht, hatte von Sankt Michael aber auch nicht so weit nach Bozen, noch dazu mit Roller. Seine Stimme ließ aufhören, nicht nur wegen ihrer Schönheit, oder beim Verlesen des Protokolls, sondern auch und vor allem des Hausverstandes wegen, der hier in Südtirol aus guten Gründen sehr hoch gehalten wird. Andere bleiben und neue kommen nachher hinzu, für die hoffentlich dann andere Pfarrer in späteren Zeiten noch ihre dankenden Worte finden können.


Gemeinsam tragen wir Verantwortung für eine Gemeinde, die nicht nur dank ihres Selbstbewusstseins, sondern auch ihrer Gebäude und vor allem ihrer Mitglieder und Sympathisanten wegen eine besonders liebenswerte und einzigartige protestantische Oase im heiligen Land Südtirol und in der ganzen Provinz Trentino ist. Vielen Dank dafür.


Michael Jäger

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